Das Untergrundmessehaus: Das erste unterirdische Ausstellungsgebäude der Welt
Einleitung
Das Untergrundmessehaus in Leipzig war eine bemerkenswerte Innovation in der Welt der Messearchitektur und das erste unterirdische Ausstellungsgebäude weltweit. Es befand sich direkt unter dem Leipziger Markt und bot eine einzigartige Lösung für die Platzprobleme der Messe in den 1920er Jahren.
Geschichte
Entstehung und Hintergrund
Im Jahr 1919 war die Leipziger Messe so stark frequentiert, dass etwa 2000 Aussteller keinen Messestand mehr erhalten konnten, da die vorhandenen Messehäuser überfüllt waren. Um diesem Problem kurzfristig zu begegnen, wurde auf dem Markt vor dem Alten Rathaus eine provisorische Holzhalle errichtet, die eine Fläche von 40 mal 80 Metern abdeckte. Diese Halle musste jedoch zu jeder Messe erneut auf- und abgebaut werden, was auf Dauer keine zufriedenstellende Lösung darstellte.
Im Jahr 1922 beschloss der Rat der Stadt, die Erlaubnis für den Bau dieser provisorischen Halle nur noch bis zur Herbstmesse 1924 zu verlängern. Danach lehnte der Stadtrat jede weitere Nutzung des Marktplatzes für solche Aufbauten ab. Die zentrale Lage des Marktes war jedoch für die Aussteller von großem Vorteil, sodass der Wunsch nach einer dauerhaften Lösung laut wurde. Die einzige Möglichkeit, den Standort beizubehalten, bestand darin, eine unterirdische Ausstellungshalle zu bauen.
Bau des Untergrundmessehauses
Am 23. Mai 1924 begannen die Ausschachtungsarbeiten für das weltweit erste unterirdische Ausstellungsgebäude, entworfen von Carl Crämer. Die Halle wurde zur Frühjahrsmesse 1925 eröffnet und maß 98 Meter in der Länge und 45 Meter in der Breite. Sie bot eine Ausstellungsfläche von 1800 Quadratmetern, auf der 175 Aussteller ihre Waren präsentieren konnten.
Das Eingangsgebäude, das sich harmonisch in das historische Ensemble des Marktplatzes einfügte, wurde von Otto Droge im Stil des Art déco gestaltet. Der Zugang erfolgte über eine zweiläufige Treppenanlage an der südlichen Stirnseite des Marktes, die hinter einer niedrigen Brüstung aus Rochlitzer Porphyr lag.
Nutzung und Sanierung
Zwischen 1986 und 1988 wurde das Untergrundmessehaus aufgrund seines schlechten baulichen Zustands grundlegend saniert. Dabei wurde es geringfügig vergrößert, sodass der Umfang der Arbeiten nahezu einem Neubau entsprach. Nach der Verlegung der Leipziger Messe vom Stadtzentrum auf das Neue Messegelände wurde das Untergrundmessehaus von der Diskothek „Markt 1“ genutzt.
Abriss und Nachnutzung
Im Rahmen des Baus des Leipziger City-Tunnels musste das Untergrundmessehaus im Oktober 2005 abgetragen werden. An seiner Stelle entstand der unterirdische Haltepunkt Leipzig Markt, der am 15. Dezember 2013 in Betrieb genommen wurde. Der Eingang Süd zur City-Tunnel-Station erinnert heute an das Untergrundmessehaus, da er originalgetreu in der von Otto Droge entworfenen Form wiederaufgebaut wurde und unter Denkmalschutz steht.
Fazit
Das Untergrundmessehaus in Leipzig war ein wegweisendes Bauwerk, das nicht nur die erste unterirdische Messehalle der Welt darstellte, sondern auch ein Beispiel für innovative Lösungen in der Architektur und Stadtplanung. Obwohl das Gebäude selbst nicht mehr existiert, lebt seine Geschichte in der heutigen Gestaltung des Eingangs zur City-Tunnel-Station Leipzig Markt weiter.